Was ist wahr, was ist manipuliert?

Was ist real, was ist virtuell?

Die virtuelle Welt, die Welt des Computers und des Internets, der Computerspiele und der Internetforen, der Blogs, der Social Media ist mittlerweile Bestandteil der Realität geworden. Die Grenzen verwischen. Es wird zunehmend schwieriger, diese wahrzunehmen. Die technischen Möglichkeiten des einzelnen Individuums wachsen. Die Informationsmöglichkeiten sind unüberschaubar. Einer gefühlten Individualität steht ein immer mächtiger werdender “Mainstream” gegenüber. Themen wie Datensicherheit, Ausspähung persönlicher Daten, “Big Data” sollen hier gar nicht weiter vertieft werden.

Getrieben vom Markt, dem Wunsch nach Erwerb der allerneuesten technischen Errungenschaften, von der Informationsflut, von der Hektik und Schnelligkeit der Gesellschaft, die uns prägt, in der wir leben, laufen wir Gefahr, den Blick für das Wesentliche zu verlieren. Oberflächlichkeit dominiert, uns geht die Muße verloren.

Die Arbeiten, auf die ich mich in den letzten Jahren zunehmend konzentriere, sind keine schnellen Ergebnisse. Im Mittelpunkt stehen die “Wunderbaren Welten”. Sie brauchten Zeit und ich nehme mir bewusst diese Zeit. An ihnen arbeite ich mit der Muße, die ich für notwendig halte.

Hier auf der Website präsentiere ich Fotos und Fotoprojekte, Computer-Collagen und Arbeiten, die mittels 3D-Modelling und 3D-Rendering entstanden. Die Computer-Collagen waren für mich ein Zwischenschritt, weg von der bloßen fotorealistischen Abbildung hin zur völligen Freiheit bei der Gestaltung der Szenerie. Die Gegenüberstellung von analogen und digitalen Elementen in einem Bild, wie in den "Wunderbaren Welten", oder von analogen und digitalen Bildern, thematisch strukturiert, wie in "Körperkulturen" oder "Elements & Textures", ist für mich ein interessanter Ansatz, mich mit dem Thema "virtuelle Welt" auseinander zu setzen.

Den Computer benutze ich nicht als Medium, sondern als Werkzeug. Fotografie, 3D-Modelling, 3D-Rendering und digitale Bildbearbeitung durchdringen sich gegenseitig. Es entsteht zunächst ein digitales Werk, am Ende ein analoges Objekt. Das Digitale wird materialisiert. Der vermeintliche Gegensatz von digital zu analog löst sich mit dem fertigen Bild auf. Es ist eine Form der Manipulation, wie sie uns auch im Alltag begegnet. Ich mache sie in mehreren Projekten, wie “Wunderbare Welt”, “Fraktale Landschaften” oder “Split Screen”, zum Thema.


Epilog

>>zitiert aus einem Beitrag der Sendung "Kulturzeit", am 6.3.2015 auf 3Sat, mit Luis Moreno Ocampo, ehemaliger Chefankläger des Internationalen Gerichtshofs

... Er war in Lybien, kurz nach dem Sturz Gaddafis, sprach mit den stolzen Siegern, damals im längst verglühten arabischen Frühling.

... man zeigte mir Bilder der Märtyrer, wie sie sagten, die gegen Gaddafi gestorben waren. Und ich sagte: Beeindruckend, aber was ist mit all den vergewaltigten Frauen? Ich verstehe ja, daß Ihr sie nicht zur Schau stellt. Aber Ihr dürft sie ja auch nicht verschweigen.

Und der Offizier sagte stolz, schauen Sie, wir haben sogar ein Menschenrechtsprogramm für diese Frauen.

Wow, großartig, wie geht das, fragte ich.

Er meinte, das Problem ist, vergewaltigte Frauen sind keine Jungfrauen mehr. Niemand will sie heiraten. Sie werden lebenslang ausgegrenzt. Wir rufen nun dazu auf, sie zu heiraten. Ich selbst gehe als Vorgesetzter voran. Ich habe gleich zwei geheiratet, zusätzlich zu meinen bisherigen beiden Frauen habe ich zwei vergewaltigte Frauen geheiratet ...